Marvin packt mit an in der Landwirtschaft

Zu Besuch auf dem Biohof
Zu Besuch auf dem Biohof

Der nächste Arbeitstag im Zuge meiner Betriebetour unter dem Motto „Marvin packt mit an!“ stand an. Heute durfte ich den Bioland Hof Meyer-Arend in Herford-Herringhausen besuchen und tatkräftig anpacken – im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach einer netten Begrüßung durch den Inhaber des Betriebes Christian Becker konnte ich mich gleich mit einer seiner Mitarbeiterinnen in die Arbeit stürzen. Los ging es mit dem Reinigen der Futtertröge bei den Schweinen und den Hähnchen, die wir im Anschluss mit Futter versorgten. Als nächstes stand dann das Ausmisten des Schweineaußenauslaufs an. Vorab mussten die Schweine davon überzeugt werden, in den Innenbereich ihrer Buchten zu gehen. Das gelang uns mal mehr und mal weniger gut. Außenauslauf für Außenauslauf entfernten wir Mist- und Strohreste von den Kanten, um im Anschluss mit großem Gerät den Mist auf den Misthaufen rauszuschieben. Nun konnte man fast wieder vom Boden essen, aber bevor wir noch auf dumme Gedanken kommen konnten, haben wir in den Außenbereich mit technischer Unterstützung neues Stroh eingestreut. Im Innenbereich der Buchten ist das jedoch noch Handarbeit und so brachten wir Schubkarre für Schubkarre neues Stroh zu den Schweinen.

Danach ging es weiter zu den Rindern, um auch hier auszumisten, jedoch rein mit technischem Gerät. Gefüttert werden die Rinder übrigens ausschließlich mit Gras und Kleegrassilage sowie Mineralsalzen, zu 100% aus dem eigenen Betrieb.

Weiter zum Hühner-Mobil. Der mobile Stall garantiert eine hohe Flexibilität und einen immer grünen Auslauf für die Hühner, da der Stall einfach ein Stück weitergezogen wird. Die Hühner fressen also mehr Gras was zu einem besonders schmackhaften Premium Bioland-Ei mit intensiv gelber Dotter-Farbe führt. Mit Christian Becker habe ich zusammen die frischen Eier am Hühner-Mobil im Dinkel-Spelz-Nest gesucht und die Ausbeute im Anschluss in den Hofladen gebracht. Frischer gehts nicht.

In einem weiteren Stall haben wir dann weitere Eier nach Größen sortiert und konnten uns am Rande gut über die Situation in der Landwirtschaft, Vorteile der Bio-Landwirtschaft, das Sterben von kleinbäuerlichen Betrieben, die EU-Förderpolitik, gesetzliche Vorgaben, Preisgestaltung, gesellschaftliche Wertschätzung für Lebensmittel und einige weitere Themen der Landwirtschaft unterhalten.

Nach einer Mittagspause mit einem leckeren Hähnchen und selbstgemachtem Salat von der Frischetheke und einem Rundgang durch den Biomarkt wechselte ich meine Gummistiefel wieder mit den Sneakern. Der anschließende Einkauf vor Ort nach dem eindrucksvollen und spannenden Tag natürlich ein Muss!

Grüne Positionen zur Landwirtschaftspolitik auf Landesebene

Gute Lebensmittel von artenreichen Feldern und von gesunden Tieren, die ihren Bedürfnissen entsprechend gehalten werden, hergestellt von Bäuer*innen mit sicherem Einkommen in NRW: Das ist unser grüner Plan für die Landwirtschaft der Zukunft. Immer mehr Menschen wollen regionale, klimafreundliche und gesunde Lebensmittel kaufen – und immer mehr Landwirt*innen wollen diese produzieren. Wir geben dieser Bewegung Rückenwind und wollen die Bäuer*innen beim Umstieg unterstützen. Die Rechte der Konsument*innen wollen wir durch einen besseren Verbraucher*innenschutz stärken und die Ernährungsbildung fördern. Landwirtschaft und der Schutz von Tieren, Klima, Umwelt und Gewässern sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Ohne eine intakte Natur, fruchtbare Böden, sauberes Wasser und ein stabiles Klima können Landwirt*innen auf Dauer nicht sicher arbeiten. Schon heute tragen viele Landwirt*innen aktiv zum Schutz der natürlichen Ressourcen bei. Sie werden wir weiter unterstützen und allen, die den Aufbruch wagen, unter die Arme greifen. Das geht nur im engen und offenen Austausch zwischen Landwirt*innen, Verbraucher*innen und Wissenschaftler*innen.

Unser Leitbild ist eine sich weiterentwickelnde ökologische, strukturreiche und bäuerliche Landwirtschaft mit ihren Prinzipien Tiergerechtigkeit, Gentechnikfreiheit und Freiheit von chemisch-synthetischen Pestiziden. Tiere müssen entsprechend ihren Bedürfnissen gehalten werden – die industrialisierte Intensivtierhaltung hat damit keinen Platz in der Zukunft der Landwirtschaft. Mit der gezielten Förderung naturverträglicher und ressourcenschonender Landwirtschaft geben wir mehr und mehr landwirtschaftlichen Betrieben die Planungs- und Investitionssicherheit, die sie brauchen. Unser Ziel ist es, den Anteil des Ökolandbaus von heute knapp 7 Prozent auf 30 Prozent bis 2030 zu steigern. Gemeinsam mit dem Bund setzen wir die europäischen Vorgaben zur Verringerung des Stickstoffeintrages durch Düngemittel konsequent um und schützen so Trinkwasser und Böden. Mittelfristig reduzieren wir den Bestand landwirtschaftlich gehaltener Tiere auf ein umwelt- und tierverträgliches Maß.

Landwirtschaft entwickelt sich weiter. Wir wollen dabei die Agrarforschung hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft ausweiten, von vielfältigen Fruchtfolgen über widerstandsfähige Anbausysteme bis hin zu Agroforstansätzen.

Eine Landwirtschaft ohne Pestizide – für Bienen, Vögel und Co.

2.100 Tonnen Pestizide wurden im Jahr 2017 landesweit auf den Feldern ausgebracht – mit verheerenden Folgen für die Artenvielfalt auf und neben dem Acker und für die Gesundheit von uns Menschen. Unser Ziel ist es, die Abhängigkeit der modernen Landwirtschaft von chemisch-synthetischen Pestiziden zu überwinden. Mit einem verbindlichen Pestizidreduktionsprogramm halbieren wir den Einsatz von Pestiziden kurzfristig. Besonders die für die Artenvielfalt kritischen Pestizide und Pestizidgemische finden keinen Ein- satz mehr. Als Steuerungsinstrument setzen wir auf eine NRW-Pestiziddatenbank, mit der die Abkehr von Pestiziden für alle transparent und planbar wird.

Wir lassen die Landwirt*innen auf diesem Weg nicht allein. Wo durch die Umstellung Mehrkosten anfallen, wollen wir die Landwirt*innen mit Förder- und Ausgleichskonzepten unterstützen und ihnen mit Beratungsangeboten zur Seite stehen, so beispielsweise auch zum Nützlingseinsatz und der biologischen Düngung.

Die Kosten für Umwelt und Gesundheit, verursacht durch einen aus dem Ruder gelaufenen Pestizideinsatz, zahlen gerade wir alle, besonders aber die Menschen auf dem Land. Mit einer verursacherorientierten Pestizidabgabe, vorzugsweise auf Bundesebene, geben wir den Schäden einen ehrlichen Preis und nutzen die Einnahmen gezielt für die Umstellung auf eine pestizidarme Landwirtschaft und die Wiederherstellung intakter Natur.

Der Einsatz für Natur, Tiere und Menschen muss sich für die Landwirt*innen lohnen

Der Großteil der Agrarförderung geht derzeit an die größten Betriebe, nicht an diejenigen, die tagtäglich mit großem Aufwand gesunde Lebensmittel im Einklang mit der Natur erzeugen. In Nordrhein-Westfalen werden wir alle Möglichkeiten nutzen, damit das öffentliche Geld von EU, Bund und Land an die Bäuer*innen und Betriebe geht, die mit ihrem Schutz von Natur und Tieren eine öffentliche Leistung erbringen. Der Umstieg auf eine insekten- und vogelfreundliche Landwirtschaft muss sich lohnen.

Gerade kleine Feldeinheiten und bäuerliche Betriebe sind gut für die Artenvielfalt und bilden das Rückgrat des ländlichen Raums. Mit zielgerichteter Unterstützung bäuerlicher Betriebe und dem Abbau unnötiger Bürokratie stoppen wir das Sterben kleiner Höfe. Durch den Ausbau sozialökologischer Beratungsangebote für Familienbetriebe (z. B. zur Regionalvermarktung, zu partizipativen Ansätzen wie Erzeuger*innengemeinschaften, zu solidarischer Landwirtschaft oder Ernährungsräten) bieten wir konkrete und niederschwellige Hilfe, damit der Generationenübergang und der Übergang in die Landwirtschaft der Zukunft gelingt. Bestehende Programme zum Umbau der Tierhaltung hin zu mehr tiergerechter Haltung sind für viele kleine Höfe durch zu hohe Anforderungen versperrt. Statt umzubauen, geben deshalb viele Betriebe auf. Wir stellen Planungs- und Investitionssicherheit mit einem landeseigenen Förderprogramm her, das gezielt Bauvorhaben kleinerer und mittlerer Betriebe fördert, und schließen so eine Lücke in der Agrarförderung. Wo Arbeitsbedingungen in landwirtschaftlichen Betrieben und dem verarbeitenden Gewerbe untragbar sind, greifen wir hart gegen Ausbeutung durch und unterstützen bessere Arbeitsschutzvorgaben auf Bundes- und EU-Ebene.

Genuss für Artenvielfalt und Natur

Viele Menschen wünschen sich regionale, handwerkliche Produkte aus einer bäuerlichen Landwirtschaft. Wir richten in jedem Kreis und jeder Großstadt ein Zentrum für handwerkliche Lebensmittelverarbeitung ein. In enger Zusammenarbeit mit den Kommunen und den dortigen Betrieben wird vor Ort entschieden, was gebraucht wird, vom Wiederaufbau eines kleinen Schlachthofes bis zu einer regionalen Vertriebsstelle.

Zuverlässige Abnahme schafft Sicherheit. Mit dem „300 mal 30 Prozent“-Programm fördern wir mindestens 300 Kantinen und Mensen von Betrieben, Krankenhäusern, Behörden, Kitas und Schulen dabei, mindestens 30 Prozent ihrer Produkte aus dem Ökolandbau zu beziehen und so viel wie möglich regional, direkt von den Betrieben oder regionalen Vertriebsnetzen. Zudem fördern wir den Ausbau von (Schul-)Kantinen in NRW, um eine gute Ernährung für alle zu ermöglichen. Vollwertige fleischfreie und vegane Angebote sollen zur täglichen Selbstverständlichkeit und hochwertiges Biofleisch aus der Region besser gefördert werden. So schaffen wir regionale Märkte mit fairen Preisen und Planungs- und Investitionssicherheit für landwirtschaftliche Betriebe. Und nicht zuletzt: Orte, an denen viele Menschen gesundes und ökologisch produziertes Essen aus ihrer Region genießen können!

12 Millionen Tonnen noch essbare Lebensmittel werden jedes Jahr in Deutschland weg- geworfen, ein großer Teil davon auch in NRW. Gemeinsam mit dem Bund weiten wir Projekte zur Eindämmung dieser Lebensmittelverschwendung aus, verpflichten den Handel und die Produzent*innen, noch genusstaugliche Lebensmittel weiterzugeben, und entkriminalisieren das Retten von Lebensmitteln, das so genannte Containern.

Artikel kommentieren

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert. Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.