Marvin packt mit an: Herforder Tafel – Ein Tag, der Spuren hinterlässt

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Der erste Einsatz im Zuge meiner Tour unter dem Motto „Marvin packt mit an!“ wartete auf mich. Einen Tag konnte ich bei der Herforder Tafel anpacken und in der Lebensmittelsortierung, der Ausgabe und der Auslieferung in die Haushalte unterstützen.

Bei dem Besuch prasselten die Eindrücke nur so auf mich ein: Humanitäre Notsituationen durch Flucht aus der Ukraine, Menschen in Altersarmut und die Folgen daraus, langzeitkranke Menschen und Unmengen an verdorbenen, überschüssigen Lebensmitteln – das muss erst einmal verarbeitet werden.

Bis zur Ausgabe der Lebensmittel kommen im Laufe des Vormittages mehrere Transporter voll mit Lebensmitteln an, die in den Supermärkten nicht mehr verkauft werden (können). Ich konnte die Massen an Lebensmitteln, die im Laufe eines Tages ankommen, kaum glauben. Die Mitglieder der Tafel berichteten mir jedoch, dass die Mengen seit ein paar Tagen deutlich weniger geworden sind als sonst. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Mengen und die Auswahl der Waren, die ausgegeben werden können.

Im Anschluss an die Lieferung werden die Lebensmittel sortiert und unverzehrbare Lebensmittel aussortiert. Beim Aussortieren schmeiße ich kiloweise Erdbeeren, Clementinen, Salate, etc. in den Müll, weil sie bereits verdorben sind. Lebensmittel wegzuwerfen, die mit dem Einsatz von Ressourcen entstanden sind, wie bei den Erdbeeren, die einen weiten Weg von Marokko hatten, macht mich in diesem Moment nachdenklich.

Nach dem Sortieren, aber auch schon zwischendurch stehen immer wieder schon Menschen vor Öffnung an der Tür der Ausgabestelle. Viele von ihnen sind Flüchtlinge aus der Ukraine, die von Ämtern zur Tafel geschickt wurden. Ich denke mir: „Ein Armutszeugnis für einen solidarischen Sozialstaat.“

Bei der Ausgabe stehe ich an den Gemüse-Kisten und habe die Aufgabe, die stark begrenzten Mengen nach Personenanzahl in den Haushalten an die Tafel Kundinnen und Kunden „gerecht“ zu verteilen. Dabei sind mir stets die Worte des Tafel-Vorstandes im Hinterkopf, dass die Anzahl der Kund*innen seit dem Krieg in der Ukraine um das Doppelte gestiegen ist. Die Menge der Lebensmittel allerdings nicht.

Nach ungefähr 30-40 ähnlichen Dialogen „Salat? Karotten? Pilze?“ werde ich an der Ausgabe abgelöst und fahre mit einem ehrenamtlichen Vereinsmitglied der Tafel in die Herforder Nordstadt, um Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, mit der wöchentlichen Lebensmittellieferung zu versorgen. Auch hier fällt die Menge der vorsortierten Lebensmittel geringer aus als sonst – zum Unbehagen mancher Kunden. Andere wiederum sind äußerst dankbar und freuen sich über die wöchentliche Lieferung und das kurze Gespräch. Nach zwölf Hausbesuchen geht es für uns zurück zur Tafel.

Ich bin dankbar über die Einblicke des Tages. Sie arbeiten noch immer in mir. Ich bin jedoch überzeugt davon, dass Politik sich auch mit diesen Realitäten „vor Ort“ befassen muss und Lösungen für Probleme, wie Altersarmut, besser, empathischer und realistischer gestaltet werden können, wenn Politikerinnen und Politiker die echte, ungeschönte Situation kennengelernt haben.

Die (ehrenamtliche) Arbeit bei der Tafel ist nichts für schwache Nerven: Notsituationen, menschliche Schicksale und Armut begleiten einen ständig. Auch die Kundinnen und Kunden sind nicht immer gut aufgelegt. Dennoch machen die Aktiven bei der Tafel einen engagierten Job – davon konnte ich mich überzeugen.

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