Flächenfraß stoppen – vorhandene Flächen besser nutzen

Versiegelung
Versiegelung

Nach dem Besuch im NABU-Wald ging es für mich direkt weiter. Anwohnerinnen und Anwohner rund um den Nordhof in Enger hatten mich zu einem Gespräch eingeladen, um über örtliche Flächenversiegelung und Wohnbebauung zu sprechen.

Der Einladung bin ich gerne gefolgt, denn der direkte Austausch vor Ort ist oftmals intensiver und näher am tatsächlichen Problem.

Vor Ort stand ich dann mit den Anwohnerinnen und Anwohnern vor einer aktuell noch landwirtschaftlich genutzten Fläche, das für Wohnbebauung und damit zur Versiegelung umgewidmet werden könnte.

Selbstverständlich brauchen wir bezahlbaren Wohnraum, jedoch gibt es in vielen Kommunen in NRW bereits versiegelte Flächen, die brach liegen. Oftmals mitten im Zentrum. So auch in Enger.

Mitten im Zentrum wird auf einer überdimensionierten, versiegelten Fläche eine Drive-In-Bäckerfiliale entstehen, die noch nicht einmal Wohneinheiten über der Ladenfläche vorsieht. Ermöglicht wurde dies durch eine Änderung des Bebauungsplans mit Zustimmung der CDU-, FDP- und der Mehrheit der SPD-Ratsfraktionen.

Den Ärger der Anwohnerinnen und Anwohner kann ich daher gut nachvollziehen. Es ist paradox, wenn auf der einen Seite Fläche „verschwendet“ und nicht für Wohnraum genutzt wird und auf der anderen Seite dann jedoch neue Flächen versiegelt und bebaut werden soll. Das ist nicht logisch und auch aufgrund der Klimakrise unvermittelbar.

Mit neuen Konzepten gegen den Flächenfraß

Unser Boden ist eine endliche Ressource. In keinem anderen Flächenland ist er so knapp wie im dicht besiedelten NRW. Gleichzeitig ist der Verbrauch von Fläche durch Bebauung und den Rohstoffabbau eine der Ursachen für die schlimmsten Umweltprobleme, angefangen beim Artensterben über Dürre- und Hochwasserereignisse bis hin zur Erderwärmung. Deshalb gilt es, Flächen besonders effizient zu nutzen, indem wir kleinere Wohneinheiten planen, stärker in die Höhe als in die Breite bauen und gemeinschaftliche Wohnformen fördern. Wir machen endlich Ernst im Kampf gegen den Flächenfraß – mit einem klaren Rechtsrahmen und intelligenten Lösungen. Dazu schreiben wir zunächst kurzfristig eine Obergrenze für den Flächenverbrauch von 5 Hektar pro Tag im Landesentwicklungsplan (LEP) fest. Bis spätestens 2035 wollen wir dafür sorgen, dass nicht mehr Fläche verbraucht als gleichzeitig entsiegelt wird. Um diese Zielsetzung zu erreichen, werden wir gezielt Instrumente einführen. Dazu gehören beispielsweise tauschbare Flächenzertifikate oder – unter anderem – vom Flächeneffizienzquotienten abhängige Versiegelungsabgaben. Weiterhin werden wir bei dem verbleibenden Flächenverbrauch zukünftig einen wirksameren und ortsnahen ökologischen Ausgleich sicherstellen und ein klares Ökopunktesystem einführen.

Brachflächen reaktivieren, Altlasten entsorgen

Der jahrzehntelange Strukturwandel hat sichtbare Spuren in Form von industriellen und gewerblichen Brachflächen hinterlassen. Hier soll Neues entstehen. Doch Entgiftung, Abriss und Verkehrsanschluss sind für private Investor*innen und Kommunen oft unwirtschaftlich oder einfach nicht leistbar. Darum verstärken wir das Engagement des Landes bei der Reaktivierung von Brachflächen. Dazu verstetigen wir den Grundstücksfonds NRW. Mit seiner Hilfe geben wir Kommunen die Möglichkeit, Flächen anzukaufen, zu entwickeln und neu zu nutzen. Parallel verdoppeln wir die Fördermittel des Landes für die Beseitigung von Altlasten in einem ersten Schritt und streben mittelfristig eine weitere deutliche Erhöhung an. Wir machen diese Mittel auch gemeinnützigen und gemeinwohlorientierten Grundstückseigentümer*innen zugänglich.

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